Packmaß beim Schlafsack berechnen - so klappt’s
Du stehst vor dem Rucksack und denkst: „Das passt doch niemals.“ Genau hier entscheidet das Packmaß deines Schlafsacks, ob du entspannt losgehst oder unterwegs anfängst zu stopfen, zu fluchen - und am Ende doch etwas außen festzurrst.
Das Gute: Du kannst das Packmaß ziemlich zuverlässig abschätzen, wenn du weißt, was Herstellerangaben bedeuten, wie du den Packsack misst und warum zwei Schlafsäcke mit identischer Temperaturklasse trotzdem völlig unterschiedlich viel Platz brauchen.
Was bedeutet Packmaß beim Schlafsack wirklich?
Mit „Packmaß“ ist in der Praxis meist die Größe des komprimierten Schlafsacks im Packsack gemeint - in Zentimetern, oft als „Länge x Durchmesser“ angegeben, zum Beispiel 30 x 18 cm. Eigentlich geht es aber um das Volumen, das der Schlafsack im Rucksack belegt. Denn ob dein Packsack eher kurz und dick oder lang und schmal ist, kann für die Packstrategie einen großen Unterschied machen.
Wichtig: Das Packmaß ist kein Naturgesetz. Es hängt davon ab, wie stark du komprimierst, wie der Schlafsack gefüllt ist, wie lange er schon genutzt wird, wie trocken er ist und sogar davon, wie geduldig du beim Stopfen bist.
Schlafsack Packmaß berechnen: Die einfache Volumen-Formel
Wenn du eine Herstellerangabe wie „30 x 18 cm“ hast, kannst du daraus das Volumen berechnen. Der Packsack ist näherungsweise ein Zylinder.
Volumen Zylinder: V = π × r² × h
- h ist die Länge des Packsacks
- r ist der Radius (halber Durchmesser)
Beispiel: Packmaß 30 x 18 cm
- h = 30 cm
- Durchmesser = 18 cm, also r = 9 cm
- V = 3,14 × 9² × 30 = 3,14 × 81 × 30 ≈ 7.630 cm³
7.630 cm³ entsprechen etwa 7,6 Litern (weil 1.000 cm³ = 1 Liter).
Damit hast du eine Zahl, mit der du im Rucksack planen kannst: 7,6 Liter sind im 50-Liter-Rucksack spürbar, im 70-Liter-Rucksack eher entspannt - und bei Bikepacking-Taschen kann es bereits das K.o.-Kriterium sein.
Umrechnung, die du dir merken kannst
Wenn du schnell überschlagen willst: Zylinder-Volumen in Litern ist ungefähr
V(L) ≈ 0,00314 × r(cm)² × h(cm)
Klingt technisch, spart aber Fehlkäufe. Alternativ: Rechne erst cm³ aus und teile durch 1.000.
Wenn du keine Herstellerangabe hast: Packmaß selbst messen
Gerade bei älteren Schlafsäcken, Leihware oder wenn du den Packsack austauschst, fehlt die klare Angabe. Dann misst du selbst - und zwar so, wie du später wirklich packst.
Stopf den Schlafsack in den Packsack (nicht rollen, wenn du sonst stopfst) und zieh die Kompressionsriemen so an, wie du es auf Tour realistisch machst. Dann misst du Länge und Durchmesser. Beim Durchmesser hilft ein Maßband, das du einmal herumlegst.
Tipp aus der Praxis: Miss nicht „maximal brutal“, sondern „tour-tauglich“. Wenn du im Wohnzimmer 5 Minuten lang nachspannst, wirst du unterwegs bei Kälte und Nieselregen kaum so sorgfältig komprimieren.
Warum zwei Schlafsäcke mit gleicher Wärmeleistung verschieden groß sind
Hier kommt der Teil, der viele überrascht: Temperaturangaben und Packmaß hängen nur indirekt zusammen. Entscheidend sind Füllmaterial, Konstruktion und Gewebe.
Daune: Kleines Packmaß, aber abhängig von Pflege
Daune ist der Packmaß-König. Sie lässt sich stark komprimieren und „loftet“ wieder auf. Aber: Hochwertige Daune (hohe Bauschkraft) bringt bei gleichem Gewicht mehr Wärme und oft auch besseres Packmaß. Wird sie feucht oder stark verschmutzt, verliert sie Bauschkraft - und du brauchst mehr Volumen für die gleiche Wärmeleistung.
Für Trekking und Radreise ist Daune deshalb super, wenn du trocken unterwegs bist oder gut mit Packsack/Liner arbeitest. In dauerhaft feuchten Regionen musst du den Schutz konsequenter mitdenken.
Kunstfaser: Mehr Volumen, dafür pflegeleichter
Kunstfaser isoliert auch bei Feuchtigkeit noch brauchbar und ist unkomplizierter. Dafür braucht sie meist mehr Packvolumen. Das ist für Familiencamping im Auto oft egal, im Rucksack oder auf dem Rad kann es entscheidend sein.
Schnitt und Konstruktion: Mumie vs. Decke
Ein Mumienschlafsack spart Material und damit Volumen. Ein Deckenschlafsack ist komfortabel und flexibel, aber oft größer im Packmaß. Auch Features wie breite Komfortschnitte, Wärmekragen oder extra starke Reißverschlussabdeckungen können das Packmaß erhöhen.
Der wichtigste Realitätscheck: Packmaß ist nicht gleich „Platz im Rucksack“
Selbst wenn du das Volumen berechnet hast: Im Rucksack zählt, wie sich das Teil „einfügt“.
Ein langer, schlanker Packsack passt gut vertikal neben Isomatte oder Zeltstangen. Ein kurzer, dicker Packsack blockiert gern den Bodenbereich. Viele Trekker stoppen Schlafsäcke deshalb ohne Packsack direkt in den Rucksackboden - das füllt Hohlräume besser aus und kann sich kleiner anfühlen, obwohl das Volumen gleich bleibt.
Wenn du das machst, rechne beim Volumen nicht zu knapp. Lose gestopft braucht ein Schlafsack oft etwas mehr Raum als im hart komprimierten Packsack.
Typische Fehler beim Packmaß-Berechnen - und wie du sie vermeidest
Ein häufiger Fehler ist, Packmaßangaben verschiedener Marken direkt zu vergleichen, ohne zu prüfen, ob sie „komprimiert“ oder „locker im Packsack“ gemessen wurden. Manche Hersteller geben ein sehr sportlich komprimiertes Maß an.
Der zweite Klassiker: Du planst nur mit Litern, nicht mit Form. Bei Bikepacking ist ein 8-Liter-Zylinder mit großem Durchmesser oft unbrauchbar, obwohl 8 Liter an sich nicht viel sind.
Dritter Punkt: Du vergisst, dass ein nasser Schlafsack oder ein feuchter Packsack sich schlechter komprimieren lässt. Auf Tour reicht schon hohe Luftfeuchte, damit Kunstfaser etwas „bockiger“ wird. Plane für Mehrtagestouren lieber ein bisschen Reserve.
Packmaß gezielt beeinflussen: Was du tun kannst
Wenn du merkst, dass der Schlafsack zu viel Platz frisst, gibt es ein paar saubere Stellschrauben.
Ein Kompressionssack kann helfen, aber er ist kein Wundermittel. Du gewinnst typischerweise etwas, aber du erhöhst auch den Druck auf die Füllung. Bei Daune ist das kurzzeitig okay, dauerhaft gelagert aber nicht. Für die Tour ist Kompression normal, zu Hause sollte der Schlafsack locker gelagert werden.
Außerdem lohnt sich die Frage: Rollst du noch oder stopfst du schon? Stopfen ist oft schneller und schont viele Isolationsfüllungen, weil es keine immer gleichen Knickstellen erzeugt.
Und dann ist da die Packstrategie: Schlafsack nach unten, lose gestopft, darüber die schweren Teile. Das stabilisiert den Rucksack und nutzt den Raum besser aus.
Praxiswerte: Was ist ein „gutes“ Packmaß?
Es hängt knallhart vom Einsatz ab.
Beim Familiencamping zählt eher Komfort als Liter. Ein größerer Kunstfaserschlafsack ist völlig okay, solange er ins Auto passt und nachts warm hält.
Beim Trekking wird es enger: Alles unter etwa 8-10 Litern ist für viele 3-Jahreszeiten-Schlafsäcke ein angenehmer Bereich, je nach Temperaturklasse und Körpergröße. Für kältere Setups steigt das Volumen, es sei denn, du gehst auf hochwertige Daune.
Bei Radreisen und Bikepacking sind Durchmesser und Form oft wichtiger als Liter. Hier kann ein schmaler Packsack mit etwas mehr Länge besser funktionieren als ein „Klotz“. Wenn du Taschen mit fester Breite nutzt, miss die Öffnung und plane danach.
Mini-Check: Passt der Schlafsack zu deinem Setup?
Wenn du den Schlafsack Packmaß berechnen willst, mach es nicht im luftleeren Raum. Denk in deinem echten Setup.
Hast du ein kleines Zelt und musst Stangen, Heringe und Innenzelt im Rucksack unterbringen? Dann ist ein kleineres Schlafsackvolumen Gold wert. Nutzt du eine voluminöse, warme Isomatte, wird der Platz am Boden knapp. Und wenn du in kühlen Nächten noch eine zusätzliche Kleidungsschicht als Backup einpackst, sollte der Schlafsack nicht der Platzfresser sein.
Wenn du dir dabei Unterstützung wünschst und Schlafsäcke nach Einsatzbereich vergleichen willst, findest du bei Outdoor Alm passende Modelle plus ehrliche Orientierung für Trekking, Familiencamping oder Radreise.
Was dir die Zahl am Ende wirklich bringt
Das Ziel ist nicht, eine perfekte Literzahl zu kennen. Das Ziel ist, dein Risiko zu senken: kein zu kleiner Rucksack, kein Schlafsack, der unterwegs immer außen hängt, und kein Setup, das dich bei Wetterumschwung zu Kompromissen zwingt.
Rechne das Volumen einmal sauber aus, prüf die Form gegen deinen Rucksack oder deine Taschen und gib dir ein bisschen Reserve für Feuchtigkeit und Alltag auf Tour. Dann wird das Packmaß nicht zur Stolperfalle, sondern zu einem weiteren Punkt, den du im Griff hast - und genau das fühlt sich draußen nach Freiheit an.